Wie nah man sich in einer Fernbeziehung wirklich ist.

Für Viele ist eine Fernbeziehung unvorstellbar – Der Andere scheint unerreichbar, man schläft abends allein ein und die Sehnsucht nach dem nächsten Wochenende scheint schier unaushaltbar. Vor allem in der Anfangsphase scheint es besonders schwer, sein eigenes Leben unter der Woche ohne den Anderen gestalten zu müssen. Dass Fernbeziehungen aber auch Vorteile haben können, die man sich nur zu Nutze machen muss, merke ich momentan wieder am eigenen Leib.

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1,4 Millionen in meiner Stadt und trotzdem wohnen die Tollsten woanders.

Wie man als Schwuler andere Männer kennenlernt, habe ich ja schon einmal genauer beschrieben (read more). Logischerweise hört das Internet nicht an unseren jeweiligen Stadtgrenzen auf, weshalb man auch relativ schnell auf Leute stößt, die aus einer anderen Ecke des Landes kommen. So geschehen im November letzten Jahres bei Dennis* und mir. Aufgrund der Entfernung gibt man sich allerdings anfangs nicht sonderlich Mühe, den anderen wirklich kennenzulernen, weshalb es auch etwas bei uns dauerte, bis wir wirklich wussten, was wir von dem jeweils anderen zu halten haben.

Lass uns mal kennenlernen – irgendwie.

Der erste, wirklich mutige Schritt ist dann wohl das erste Date mit Jemandem, der 500Km entfernt wohnt. Immerhin kann man sich ja nicht erstmal bei nem Bier in der Bar um die Ecke beschnuppern und falls es dann nicht passt, schnell doch noch irgendwo hin müssen. Bei uns hat es jedenfalls von Anfang an Zoom gemacht und was das für ein Glück ist, weiß ich spätestens seit meinen letzten, bisher gemachten Erfahrungen mit anderen Männern, zu schätzen.

Toll! Wir mögen uns – und nu!?

Wie es nun ab da an weiterging, war anfangs nicht ganz klar für uns. Klar war nur, dass wir uns wiedersehen müssen. Doch wo und wann und wie? Und überhaupt. Schnell mussten Absprachen und Termine her – romantische Spontaneität sieht zugegebenermaßen anders aus. Der Vorteil aus der ganzen Sache wiederum ist, dass man sich selbst mit einer Art Vorfreude auf das nächste Wochenende belohnt, die einen, mit den sowieso schon völlig neuen Schmetterlingen im Bauch, mit einer Leichtigkeit durch die Woche tragen kann, dass man den Eindruck bekommt, alles mit Links zu schaffen.

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Get your Shit together!

Dass das nicht immer der Fall ist, merkte ich in der letzten Prüfungsphase. Natürlich liegen meine abgerutschten Prüfungsergebnisse hauptsächlich an meiner fehlenden Disziplin im ganzen letzten Semester, allerdings war die angenehme Sorglosigkeit vor den Prüfungen auch nicht gerade hilfreich dabei, den Druck zu erhöhen. Neben der Planung und Organisation miteinander gehört also auch die Organisation und Disziplinierung der eigenen Person dazu, wenn man nicht wie ein verliebter Teenager wirken will, der sein Leben wegen seines Schwarms gegen die Wand fährt. Lesson learned.

Nur noch 3 Tage, dann ist wieder Urlaub.

Was mir aber am besten an der Fernbeziehung zwischen Dennis* und mir gefällt, ist die Möglichkeit, die Zeit, die wir miteinander verbringen, so intensiv und vielfältig zu gestalten wie nur irgend möglich. So verbinden uns nicht nur viele gemeinsame Interessen und der gleiche Humor, sondern auch die Wertschätzung über die ungeteilte Aufmerksamkeit des Anderen, wenn wir uns am Wochenende besuchen. Alles scheint hintenangestellt, alle Sorgen vergessen und der Alltag wirkt wie weggesperrt. Keiner von uns kommt abends gestresst von der Arbeit oder hatte kurz zuvor Streit mit Freunden oder der Familie, der die Zweisamkeit stören könnte. So kitschig wie das klingt habe ich dadurch das Gefühl, dass wir einander so viel schneller und besser kennenlernen konnten, denn keiner von uns konnte sich hinter alltäglicher schlechter Laune verstecken oder Dates einfach absagen.

Auf der anderen Seite ist es natürlich auch wichtig, zu wissen, wie man die Zeit füllt, die man nicht beieinander sein kann. Da ich sowieso ein relativ ausgefülltes Leben habe, gewinne ich der abendlichen „Einsamkeit“ unter der Woche schon auch ganz gern etwas Positives ab, denn sie lässt mich abschalten und den Tag verarbeiten. Zusätzlich sorgt die regelmäßige und offene Kommunikation dafür, dass man doch immer das Gefühl hat, Teil des Lebens des Anderen zu sein.

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Fernbeziehung = ferne Beziehung?!

Nur weil der Andere mehrere hundert Kilometer entfernt wohnt, muss das also nicht heißen, dass die Beziehung weniger intensiv oder oberflächlich ist. Generell ist es ja sowieso schwer, zwei Beziehungen miteinander zu vergleichen, deswegen versuche ich nur von meinen eigenen Erfahrungen auszugehen. Insofern bedeutet die Zweisamkeit in einer Beziehung für mich immer, dem Anderen vertrauen zu können und sich aufeinander verlassen zu können. Genau das kann ich von Jemandem bekommen, der um die Ecke wohnt, oder eben am anderen Ende der Republik.

Langfristig gesehen möchte ich natürlich auch meinen Alltag mit Jemandem teilen. Wie das bei Dennis* und mir sein wird, steht noch in den Sternen, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen 😉

Habedere, 

Max

*Name geändert

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