Das Schreckgespenst HIV-Test!

Long time no see! Es gibt wieder neuen Lesestuff! Das Jahr ist noch keinen Monat alt und es fing schon sehr turbulent für mich an. Hat jemand von euch schon einmal einen STD-Test (Sexual Transmitted Diseases = Geschlechtskrankheiten) gemacht? Eigentlich sollte jeder von uns regelmäßig einen machen, einfach weil es nicht schaden kann und der Test kostenlos und in jedem Gesundheitsamt möglich ist. Wie gesagt, eigentlich. Die Realität sieht anders aus. Zumindest meine. Ich hasse es, mir in diesem Zusammenhang überhaupt eingestehen zu müssen, dass ich einer sogenannten Risikogruppe angehöre. „Männer, die Männern Sex haben (MSM)“ ist der politisch korrekte Ausdruck, der verwendet wird, wenn es um Risikogruppen geht. Während viele den Test lediglich mit einem HIV-Test verbinden, wird auf eine Vielzahl von Krankheiten, wie zum Beispiel Hepatitis A/B/C oder Syphilis, getestet.

Mein Gang zum Gesundheitsamt

Wie schon gesagt, ist es für mich immer wieder schwierig, mir einzugestehen, dass es eigentlich echt wichtig ist. Als ich früher noch im OP gearbeitet habe und Blutplasmaspender war, wurden diese Tests regelmäßig durchgeführt und sind dabei allmählich als Schreckgespenst abgeschwacht. Jetzt habe ich schon wieder seit einigen Monaten darüber nachgedacht, mal wieder einen Test machen zu lassen. Auslöser war dann letztendlich ein Blogpost auf kleinerdrei.org (Diagnose: HIV positiv), der mich echt ins grübeln brachte. Mit 21 HIV positiv? Ich wüsste nicht, wie ich noch die Kraft hätte, mein jetziges Leben so weiter zu bestreiten, wenn ich eine solche Diagnose bekommen würde.

Sie sagte: „HIV war positiv“. Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ab diesem Augenblick in meinen Kopf vorging. Eine Mischung aus dem Glauben daran, dass es sich um einen Fehler handeln müsse, einer Rekapitulation sämtlicher Sexualkontakte der letzten Monate und dem Gedanken, dass ich absolut hilflos und ahnungslos bin. Obendrauf gab es noch eine deftige Prise Schamgefühle.

Quelle:www.kleinerdrei.org Diagnose: HIV positiv (Stand: 20.1.2017)

Better be safe than sorry.

Eigentlich gab es seit dem letzten Test keine besondere Risikosituation, ansonsten hätte ich den Test tatsächlich schon früher gemacht, allerdings hat der Artikel genau den Hypochonder in mir angesprochen, der bei Kopfschmerz einen Gehirntumor hat und bei Sonnenbrand sofort Hautkrebs bekommt. Also informierte ich mich vorab über den Test vor Ort und stellte mit freudiger Überraschung fest, dass ein Schnelltest angeboten wird, der innerhalb von 30 Minuten (anstatt mindestens einer Woche Wartezeit) ein Ergebnis liefert. Für mich, als ungefähr ungeduldigster Mensch auf diesem Planeten das perfekte Angebot, auch wenn es im Gegensatz zum normalen Test 27€ kostet und nur auf HIV testet. Um die Anonymität der Patienten zu wahren, kann man allerdings nur bar an einem Kassenautomaten bezahlen, der am Tag meines Besuches selbstverständlich defekt war #FUCKMYLIFE. Also doch der normale Test mit allen anderen STDs und einer Wartezeit von zwei Wochen (dank Feiertagen und deutscher Behördengeschwindigkeit). Während ich in den zwei Wochen schon immer mal wieder darüber nachdachte, wie ich meinen Eltern und meinem Freund erklären müsste, HIV positiv zu sein, war der zweite Gang zum Gesundheitsamt, um die Ergebnisse abzuholen fast noch schlimmer, als der erste. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und die Schweißperlen standen mir auf der Stirn. Die Ärztin hatte wohl schon selbst mit dem schlimmsten gerechnet, als sie nur mein Gesicht gesehen hat, denn sie versuchte mich von Anfang an irgendwie zu beruhigen. Der Stein, der mir vom Herzen fiel, als ich die Ergebnisse sah, muss eigentlich noch in dem Behandlungszimmer liegen, so schwer wie der war.

Das Spiel mit den Zahlen

„Das kommt ganz selten vor, dass wir hier mal jemanden haben, der wirklich positiv getestet wird!“ – Die Worte der Ärztin. Aber wie selten ist es eigentlich wirklich in Deutschland? Laut Robert-Koch-Institut gab es 2015 circa 84700 Infizierte und circa 3200 Neuinfektionen in Deutschland, davon circa 2200 Männer, die Sex mit Männern haben. Rein rechnerisch macht das maximal 60 Männer die in München positiv getestet werden. Für mich sind solche Zahlenspielchen dann doch irgendwie wieder beruhigend, auch wenn sie eigentlich nicht viel über das tatsächliche Risiko aussagen, dem ich mich selbst aussetze.

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Die Angst vor dem Stigma

Was mich bei der ganzen Sache aber wirklich umtreibt und keine Ruhe lässt ist, dass ich eigentlich vor dem Stempel „positiv“ so unglaublich viel Angst habe, nichtmal vor der Krankheit selbst. Hepatitis C beispielsweise ist genauso wenig heilbar und wohl vom Krankheitsverlauf mittlerweile wesentlich gravierender als HIV und trotzdem nicht vergleichbar mit den gesellschaftlichen Vorurteilen gegenüber Infizierten. Ich meine, wie würde man denn mit seinem zukünftigen Partner umgehen? Kann man so viel Verständnis erwarten? Wann sagt man es ihm? Und wem erzählt man überhaupt davon? Gedanken, die ich mir eigentlich nicht machen brauche und trotzdem Angst davor habe, jemals in die Situation zu kommen, es doch zu müssen.

Don’t be silly, protect your willy!

Insofern hilft eigentlich nur eins: Don’t be a fool, cover your tool. Aber das wissen wir ja alle. Vielleicht sollte man auf Apps wie Grindr und Planetromeo Schockwerbung so wie auf Zigarettenpackungen machen. Die richtige Zielgruppe würde man so zumindest auf jeden Fall erreichen. Ich für meinen Teil kann mich glücklich schätzen, dass ich mir in einer Beziehung darüber erstmal keine Gedanken mehr machen muss. Aber darüber mehr in den nächsten Posts. 🙂

Habedere, 

Max

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