Mit Jodel zum Seelenverwandten – kann das klappen?

Vielleicht kennt sie der ein oder andere: Die app „Jodel“ ist vor allem unter Studenten in den Großstädten Deutschlands und Europas sehr beliebt. Sie vertreibt Langeweile mit unterhaltsamen Kurznachrichten und Bildern, ähnlich wie bei Twitter, nur, dass man bei Jodel lediglich Posts aus einem Radius von circa 10km sehen kann. Mit einem Votingsystem, bei dem kreative, lustige und interessante Beiträge gepusht werden und gleichzeitig unliebsame oder unpassende Posts aus der Timeline gekickt werden, bietet die app alle paar Stunden völlig neuen Content. Zusätzlich weiß man nicht, wer welchen Post geschrieben hat, denn alles Geschriebene wird völlig anonym veröffentlicht. So viel zum Prinzip der App. Vielleicht wird schon deutlich, warum es eigentlich wenig Sinn macht, hier nach seiner besseren Hälfte Ausschau zu halten, denn es werden zwar Bilder gepostet, der Jodel „Ehrenkodex“ gebietet es aber, auch hier die Anonymität aller Beteiligten zu wahren und keine Gesichter zu veröffentlichen. Wer also versucht, sich über Jodel mit jemandem zu verabreden, hat meist keine Ahnung worauf er sich einlässt und es wirkt deshalb offen gestanden ziemlich verzweifelt, wenn mal wieder ein „super spontaner Jodeltreff“ am Springbrunnen vor der Uni über die Plattform geplant wird.

iphone-410311

Wie auch immer, ich nutze die App mittlerweile ein ganzes Jahr und habe schon so einiges dort gesehen: Sehr viel komisches, meist ziemlich skurril und ausgefallen, oftmals auch verstörend, und – wie sollte es auch anders sein im Internet von 2016 – a whole lot of cat content. Doch ab und zu, mit ganz viel Glück und Geduld, erkennt man den ein oder anderen Romantiker unter den Jodler-Studenten und man fragt sich ad hoc: Warum kann mir denn nicht mal so etwas romantisches passieren!? Tja, mir ist tatsächlich mal einer dieser romantisch – skurrilen Geschichten passiert, an der die Münchner Jodelgemeinde im Juni diesen Jahres teilhaben durfte.

library-1400313.jpg

Doch ganz von vorn: Es ist ende Juni, eigentlich die absolute Abfuckzeit für Studenten, denn draussen sind gefühlt 40 Grad, die gesamte Menschheit liegt am Badesee und räkelt sich genüsslich in der Sonne, während der pflichtbewusste Student den ganzen Tag in der Bibliothek hockt und lernt. Denn es ist Prüfungszeit, mitte Juli sind die Semesterprüfungen Sinnbild für jeden einzelnen Studenten auf der gesamten Welt dafür, dass man doch eigentlich schon während des Semester hätte anfangen können mit Zusammenfassungen schreiben und auswendig lernen. Naja, wie gut das klappt, sieht man wie gesagt in den Bibliotheken Ende Juni. Auch ich war dort von 8 bis 20 Uhr vorzufinden, um mir den Vorlesungsstoff des vergangenen Semesters reinzukippen. Die einzige Ablenkung, die ich mir in dem Zeitraum zwischendurch gegönnt hatte, war, meine durchaus attraktiven Leidensgenossen um mich rum in der Bibliothek zu beobachten und natürlich zu jodeln. Und zu snapchatten. Und zu twittern. Und mit Jungs auf Grindr zu schreiben. Naja, vielleicht hatte ich doch etwas mehr Ablenkung, der Punkt ist, dass ich doch tatsächlich auf Grindr das äußerst seltene Vergnügen hatte, mit jemandem zu schreiben, den ich am selben Tag noch in der Bibliothek, ein paar Tische weiter weg von mir, sitzen sah. Du hast keine Ahnung, was Grindr ist? Kein Ding, schau dir mal den Post an: Read more. Jedenfalls schrieben wir kurz, verloren uns aber online schnell aus den Augen.

Out of Sight, out of Mind.

Weil aber wie schon gesagt die Bibliothek in der Zeit mein zweites zu Hause war, habe ich natürlich die nächsten Tage noch weiter nach ihm Ausschau gehalten und siehe da: Ein paar Tage später sah ich ihn dort wieder sitzen, umgeben von Büchern, Laptop, Heftern, Notizen, latenter Verzweiflung. Wenn man in der Bibliothek sprechen dürfte, hätte ich ihn vielleicht angesprochen. Immerhin gefiel er mir ziemlich gut, allerdings hatten wir nur kurz geschrieben und ich wusste nicht einmal, ob er mich erkennt. Also entschied ich mich für eine etwas unkonventionellere Art, ihm eine Freude zu machen und ihm meine Zuneigung zu zeigen. Ich riss ein Stück Papier von meinem Block ab, schrieb folgende Zeilen drauf und legte sie ihm auf dem Tisch, als ich mich auf den Heimweg machte und er nicht am Platz war: „Sag mal, waren deine Eltern Chemiker? Du siehst aus wie ein Versuch… Aber ein gelungener! 🙂 Schönen Tag noch!“ Mehr nicht.

Was hat das Ganze jetzt mit Jodel zu tun!?

Eine halbe Stunde später, als ich dann zu Hause war, wollte ich mich von der Münchner Jodelgemeinde wieder etwas belustigen lassen und schaue in die App, um mit freudiger Überraschung festzustellen, dass ER tatsächlich ein Foto von meinem Zettelchen gejodelt hat:

img_2708

Wäre sein Jodel nicht so steil gegangen, hätte ich es wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, aber so etwas kommt aller Erfahrung nach ganz gut an in der Community und wird somit natürlich gepusht. Einige Kommentare gab es auch schon:

Natürlich ließ ich mich nicht lumpen und schaltete mich in die Diskussion ein und um zu beweisen, dass ich wirklich der Autor des Zettels war, schrieb ich wieder in meiner krakeligen Handschrift auf, dass ich ihm halt eine Freude machen wollte(siehe auch Kommentare):

img_2714

Zu dem in den Kommentaren vorgeschlagenen Kaffee-Date kam es leider nie. Ich wollte mich über Jodel nicht zu erkennen geben und sein Profil auf Grindr hatte er bereits wieder gelöscht. Somit hatte ich gar keine Möglichkeit mehr zu sagen, dass ich es war, der ihm diese kecke Nachricht hinterlassen hatte. Aber das war auch okay, es hatte mir mal wieder gezeigt, dass ich mich mindestens genauso darüber freue, anderen eine Freude gemacht zu haben, wie über direkt an mich gerichtete Aufmerksamkeiten.

Man sieht sich immer zwei mal im Leben

Es war eine willkommene Abwechslung im Lernstress und ich weiß, dass ich es mir nach wie vor beibehalten habe, Menschen wertschätzen zu können, egal wie viel Stress ich habe oder wie wenig ich sie kenne. Wer jetzt der Meinung wie einer der Kommentatoren ist, ich hätte meine Nummer hinterlassen sollen, der hat vielleicht recht, aber ich bereue es nicht, sie nicht notiert zu haben. Denn kurze Zeit später lernte ich einen anderen, für mich wohl immer besonders bleibenden Menschen kennen (read more) und wer weiß, vielleicht hält das Schicksal ja noch die ein oder andere Überraschung für mich bereit, denn die nächste Prüfungsphase ist nicht weit entfernt.

Habedere, 

Max 

Was haltet ihr von Jodel und der ganzen Aktion? Unnötiger Quatsch oder nette Geste? Habt ihr eventuell schonmal etwas ähnliches im Internet erlebt? Lasst es mich und uns wissen, denn Sharing is Caring.

PS: Kurze Anmerkung in eigener Sache: Ich hatte in letzter zeit relativ viel um die Ohren und bin deswegen leider nicht dazu gekommen, etwas zu veröffentlichen. Es sind aber wieder so einige Beiträge geplant, also stay tuned!

Advertisements

2 Gedanken zu “Mit Jodel zum Seelenverwandten – kann das klappen?

  1. Hey Nina,
    Bei mir ist es leider nicht mehr ganz so oft im Einsatz, was aber nur der Tatsache geschuldet ist, dass ich oftmals gar nicht dran denke und dann eher bei Twitter oder so bin 😀 aber ja, Jodel macht echt nach wie vor Spaß und die Macher kommen ja regelmäßig mit neuen Features um die Ecke, die immer wieder Spaß machen!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s