Manchmal ist ein sauberer Schnitt das Beste.

Fuck. Ich habe dieses Wochenende Sebastian* wiedergetroffen (read more). Meine kleine, heile Welt, die ich mir zurecht gelegt hatte und mit der ich mich arrangiert hatte, wurde so schnell und unverhofft eingerissen, dass ich kurzzeitig das Gefühl hatte, wieder bei Null anzufangen. Wenn ich an so etwas wie Schicksal glauben würde, dann käme es mir so vor,als ob es mir diesmal mit der einen Hand aufstehen helfen wollte, während die andere zum absoluten Bitchslap ausholte.img_9663

Doch um von vorn anzufangen: Ich war dieses Wochenende auf einer Party, bei der ich mir schon gedacht hatte, dass er auch da ist. Allerdings waren massig Leute in der doch sehr ausgefallenen Location und ich hätte nicht erwartet, dass wir uns über den Weg laufen würden. Tja. Er hat mich wohl gesehen und schrieb mir völlig unverhofft eine Nachricht. Wir hatten bis auf den Brief, den ich ihm zwei Wochen nach dem letzten Treffen geschrieben hatte, keinen Kontakt. Auf einmal bekomme ich eine Nachricht auf der Party, in der er sich dafür entschuldigt, mir nicht auf den Brief geantwortet zu haben, aber er wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Ich sei einer der besten Menschen, die er je kennengelernt habe und es tut ihm leid, was er mir angetan habe. Aber er könne das nicht. Er habe sich aber mega gefreut.

Über Wunden. 

Mir war nicht ganz klar, wo das jetzt her kam. War das ein Scherz? Ist er voll!? Wir hatten vor 6 Wochen das letzte mal Kontakt, ich habe seitdem keinerlei Anstalten mehr gemacht, ihn zu kontaktieren oder ihm das Gefühl gegeben, so eine Nachricht noch zu erwarten. Egal, so unerwartet wie sie kam, habe ich mich darüber gefreut. Er war doch nicht ganz der elende Unhold, für den ich ihn zwischenzeitlich hielt, sondern doch der aufrichtige, emphatische junge Mann, in den ich mich vor zwei Monaten verliebt hatte.

Um in Ruhe reden zu können, bat ich ihn für ein Gespräch vor den Club. Es war angenehm ihn wiederzusehen, vertraut einfach. Irgendwie wie bei unserem ersten Treffen, mit dem einzigen Unterschied, dass damals ausser Vorfreude keine weiteren Emotionen, wie Enttäuschung oder Sehnsucht, involviert waren. Er war ungewöhnlich gesprächig, fing an zu erzählen, wie sehr und oft er an mich denken muss und dass es ihm so leid tut, mir nicht auf den Brief geantwortet zu haben. Er habe 20 mal angesetzt, um mir zu schreiben, fand aber, dass keiner seiner Briefe mir gerecht wurde. Er denkt so gern an die schönste Nacht seines Lebens zurück, die er mit mir hatte. In Berlin. Am Potsdamer Platz liegend. Damals hatte ich ihn mit seinen eigenen Gefühlen konfrontiert, die sich in ihm angestaut hatten, weil er sich immer noch nicht bei seinen Eltern geoutet hatte. Vor einer Woche dann, so erzählte er weiter, hatte er dann den Mut gefasst, sich bei seinen Eltern zu outen, weil ihm das Gespräch mit mir damals so viel Kraft gegeben habe. Oh man, wie stolz ich in dem Moment war. Zu einen auf ihn, weil ich wusste, wie schwierig das für ihn gewesen sein musste. Zum anderen auf mich, weil ich ihn als Menschen wohl richtig einschätzen konnte und mich doch nie wirklich in ihm getäuscht habe. Denn auch mit der von mir prophezeiten Reaktion seiner Eltern hatte ich recht: Seine Eltern müssen von seinen Erzählungen her die liebevollsten Menschen sein, die man kennen kann und deswegen konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er da irgendeine negative Reaktion zu erwarten hatte.

Ich versteh so wenig von der Welt, durch die du rennst. 

Ich erzählte ihm, dass ich auch oft an ihn denken muss und dass ich nach wie vor glaube, dass ich damals etwas Großes habe gehen lassen müssen. Ihm kamen die Tränen. Um auch für mich Klarheit zu haben, fragte ich ihn, ob er jemand Neues habe. Eigentlich kannte ich die Antwort ja schon, aber weil in die Richtung noch gar kein Kommentar kam, musste ich fragen. Ja, aber er sei anstrengend, meinte er. Zum einen hatte ich keine Ahnung, wie ich mit dieser Information umgehen sollte und zum anderen schien mir alles, was ich zu diesem Thema hätte sagen können, befangen und voreingenommen.

Die beiden seien zusammen meinte er, aber er müsse trotzdem noch so oft an mich denken. Er habe ihm damals das gegeben was er brauchte. Warum ich das damals nicht konnte, habe ich nicht gefragt. Vor der Antwort hatte ich zu viel Angst um ehrlich zu sein, denn egal was hier gekommen wäre, der offensichtliche Vergleich mit jemand anderem hätte mir das Herz gebrochen.

Willst du mich friendzonen!? 

Natürlich fragt man sich an dieser Stelle irgendwie: Was sollte dieses Gespräch denn jetzt? Er wollte mich wieder sehen meinte er und er hoffe, dass wir irgendwann ein normales Verhältnis zueinander hätten. Ein normales Verhältnis. Ouch. Er hat glaube ich immer noch nicht realisiert, was genau er mir bedeutete und was es für mich heißt, loslassen zu müssen.img_0698

Auch wenn er weiß, dass dieses Gespräch für mich nichts wirklich einfacher gemacht hat, glaube ich schon, dass es ihm danach besser geht. Es tut immer gut, zu wissen, dass man dem Anderen noch wichtig ist und dass dieser einen wertzuschätzen weiß. Das wusste er allerdings auch schon aus dem Brief. Sein schlechtes Gewissen war wohl der ausschlaggebende Punkt, was er bei der Gelegenheit loswerden wollte. Ich weiß, ich habe mal geschrieben, dass man weniger vermuten und schlussfolgern sollte und mehr wissen und nachvollziehen muss, allerdings befinde ich mich nach wie vor nicht in der Situation, in irgendeiner Art und Weise für Klarheit sorgen zu können. Wie auch immer, zumindest weiß auch ich jetzt, dass ich ihm wichtig war und ihm etwas bedeutet habe.img_0513

„Ein bisschen mehr Selbstachtung, dann klappt das schon.“

Schlussendlich bleibt mir nichts weiter übrig, als nach vorn zu blicken und mein eigenes Glück nicht aus den Augen zu verlieren. Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche, um gestärkt aus dieser Sache rausgehen zu können, indem ich mich nicht vorschnell in etwas Neues stürze und am Ende noch bestürzter bin. Und das, auch wenn ich weiß, dass wir einander nicht gerecht wurden, mit dem, wie wir uns gegenüber dem Anderen verhalten haben. 

Er hat sein Glück in Jemandem gefunden, der ihm das gibt was er braucht. Ich  hoffe, dass er wirklich glücklich ist. Er hat seine Entscheidung getroffen und mit der werde ich leben, schon allein, weil ich mir geschworen habe, niemals die zweite Geige spielen zu wollen und auf jemanden zu warten, der diese ganze Sache für einen sauberen Schnitt hält. Vergessen werde ich ihn aber nie und es wird sicher noch eine Weile dauern, um wirklich zu verstehen, wie hart das Schicksal zugeschlagen hat und es trotzdem schafft, mir dabei den Weg für etwas Neues zu ebnen.

Habedere,

Max

*Name geändert.

Seid ihr eurem Ex-Partner oder einem Verflossenen mal über den Weg gelaufen? Wie war seine Reaktion? Und eure? Gibt es etwas, was ihr demjenigen im Nachhinein noch sagen wollt? Lasst es mich und uns wissen, denn Sharing is Caring.

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5 Gedanken zu “Manchmal ist ein sauberer Schnitt das Beste.

  1. So etwas wie einen sauberen Schnitt gibt es eventuell in der Medizin, allerdings nicht wo es um Emotionen geht. Man kann sich das einreden und sich selbst Mut zusprechen – am Ende, wenn wirklich Gefühle da waren, wird es sich nicht vermeiden lassen, dass man sich (unbeabsichtigt) weh tut.
    Du hast vollkommen Recht Max, dass es sich absolut nicht lohnt, verlorenen Begegnungen nach zu laufen. Es gab einen Grund, warum es beim ersten Mal nicht geklappt hat und das wird sich wahrscheinlich auch nie Ändern. Schade nur, dass nicht mehr Menschen auf der Erde die Courage dazu haben, Offen und Ehrlich über deren Gefühle, Verlangen & Gedanken zu reden.

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Gerald,

      Danke für dein Kommentar, das freut mich sehr! Tatsächlich hast du recht, niemand kann Gefühle, Gedanken und Emotionen einfach abstellen und für sich behaupten, mit einem Mal sei alles weg. Das ist immer ein schleichender Prozess, der aber sicherlich irgendwann darin mündet abschließen zu können. Nach dem Gespräch am Samstag glaube ich aber ehrlich gesagt nicht, dass er sich die Zeit genommen hat, diesen schleichenden Prozess durchzustehen, ansonsten würde er mir nicht sagen wollen, dass er noch so oft an mich denkt, oder?
      Die Gründe, die dafür gesorgt haben, dass es beim ersten Mal schon nicht geklappt hat, vergesse ich immer so schnell. Ich weiß auch nicht, ich bin da anders, ich erinnere mich an die guten Sachen und an die gemeinsame Zeit und das ist dann auch alles, was ich vermisse. Ich kann gar nicht einschätzen, ob es an den gleichen Dingen wieder scheitern würde, denn im Endeffekt standen wir uns ja nur selbst im Weg.
      Das hast du schön gesagt, das mit der Courage mein ich. Leider hast du aber auch damit recht und irgendwann müssen wir wohl anfangen, einen Weg zu finden, wie wir mit solchen Menschen umgehen, ohne immer wieder enttäuscht zu werden.

      Max

      Gefällt mir

      1. Hey,
        Naja, ausblenden ist immer leichter, als sich der Situation zu stellen. Heißt allerdings nicht, dass es ein clean cut ist. Genau das Gespräch zeigt doch, dass er auch damit nicht ganz abgeschlossen hat. Ob „an dich denken“ jetzt heißt, dass er sich die Zeit von damals zurückwünscht oder ob er sich denkt „das war doch schön damals“ sind halt zwei Paar Schuhe. Ich würde da nicht zu viel rein interpretieren – ähnlich wie wenn ein Betrunkener dir einen Antrag macht oder einen Kuss gibt.

        Natürlich vergisst man die Gründe schnell, wir Menschen sind ja positiv gestimmte Menschen. Gute Gefühle führen uns dazu Apple Produkte zu kaufen, nicht weil diese gut sind, sondern weil es ein „Feeling“ bzw. eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe gibt. Man will natürlich auch zu der Gruppe der Vergebenen gehören, Menschen sind Rudeltiere.

        Gerald

        Gefällt 1 Person

      2. Hey Gerald,
        eigentlich möchte ich mir nicht weiter den Kopf darüber zerbrechen, aber wahrscheinlich hast du recht. Allerdings wäre das dann nur noch unfairer mir gegenüber, sich auf Kosten von mir zu profilieren, besseer zu fühlen und sein Ego zu boosten. Das habe ich nicht verdient und es tut ehrlich gesagt auch ziemlich weh, das so a anzunehmen. Zum anderen ist der Gedanke an eine schöne Zeit, die man mit jemandem hat ja immer wünschenswert und auch ich werde irgendwann so empfinden, weil ich das bisher über jede Beziehung denke die ich mit anderen hatte. Allerdings immer erst nach genügend Zeit und dann auch mit dem Wissen, dass ich für mich abgeschlossen habe und denjenigen nicht auf sämtlichen online Kanälen noch stalken muss.

        😀 Menschen sind Rudeltiere, die zur Gruppe der Vergebenen gehören wollen. Geil. Das lass ich jetzt einfach mal so stehen, gefällt mir!

        Max

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