Was ist das für 1 Dating Life unter Schwulen!? 

Wartest du noch immer auf den Prinzen auf seinem weißen Schimmel, der dich mit wehendem Haar deinem Alltag entreißt und mit dir in den Sonnenuntergang reitet? Oder forcierst du das Schicksal etwas, so wie ein Großteil der schwulen Community, mithilfe der altbekannten Dating-Plattformen wie Grindr, Planetromeo, Lovoo, Tinder und so weiter und so weiter..? Beides hat sicher seine Vor- und Nachteile, ich für meinen Teil bin zu desillusioniert, um mich einzig darauf zu verlassen, im Supermarkt ganz ungeschickt und unschuldig meinen Traummann anzurempeln, um dann ins Gespräch zu kommen, während er mir dabei hilft, meine fallen gelassenen Lebensmittel wieder aufzuheben. Also bin ich natürlich überall online zu finden, in der Hoffnung, dort den Deckel zu meinem Topf zu finden.

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Hot or Not!?

Angefangen hat alles mit 14 oder 15 bei „Dbna“ („Du bist nich Allein“), einer Seite für junge Schwule von 14 bis 27. Total unvoreingenommen und mit keinen Erwartungen meldete ich mich dort an, lud ein Profilbild hoch, füllte alle relevanten Informationen aus – und wartete. Auf den einen tollen Jungen, der mir mein Herz im Nu stehlen wird. Mal davon abgesehen, dass die Webseite wirklich eine tolle Plattform für junge Schwule ist, um sich auszutauschen und sich zu informieren, musste ich doch relativ ernüchternd feststellen, dass mein mit meiner ersten Digitalkamera geschossenes Selfie nicht ausreicht, um von mir zu überzeugen. Wie der Hase läuft, realisierte ich dann relativ schnell: Du hast einen süßen Justin Bieber Haarschnitt und am besten noch ein Bild oben ohne von dir im Profil? Hot. Du trägst Brille und hast keine Markenklamotten auf deinen Bildern an? Not. Das Ganze wird durch eine Art Tinder light abgerundet, wobei man Bilder der zufällig ausgewählten Mitglieder angezeigt bekommt und diese mit 1 bis 10 Sternen bewerten kann. Sobald jemand einem gut gefällt kann man natürlich sofort die Chance nutzen und demjenigen direkt schreiben. Ich will damit weder die Plattform selbst, noch die Mitglieder angreifen, mittlerweile kann ich mich in bestimmten Punkten selbst nicht mehr von diesen Schemata distanzieren, aber es hatte mich damals trotzdem überfordert. Mit meinen 16 jungen Jahren, als ich sowieso noch nicht so richtig wusste, wie ich mit meiner Sexualität umzugehen habe, war es eben schon ein herber Tiefschlag, meine eigene Bewertung zu sehen: Irgendwas um die 3 Sterne nach 200 Bewertungen!? „Das kann nicht sein“, dachte ich und fing an, an mir selbst zu zweifeln.

„Willst du dir etwas Taschengeld dazu verdienen?“

Heute, 8 Jahre später interessiert mich sowas eigentlich nicht mehr großartig. Würde es das, wäre ich wahrscheinlich schon längst ins Zölibat gegangen und hätte allen weltlichen Gelüsten abgeschworen. Wie gesagt, Dbna ist noch eine der zugänglicheren Webseiten, bei denen man sich für schwules Online-Dating anmelden kann. Auch meine beiden Ex-Freunde habe ich hier kennen gelernt und das, wohl gemerkt obwohl die Seite mit Abstand die kleinste und jüngste Community hat. Zwei Tage nachdem ich 18 geworden bin habe ich mich in die Höhle des Löwen begeben und bei „Planetromeo“ (Webseite besuchen) angemeldet. Wie ein Stück Frischfleisch, was auf dem Wochenmarkt zum Verkauf angeboten wird, habe ich mich anfangs gefühlt. Lauter unmoralische und teilweise auch illegale Angebote landeten in meinem Postfach und während ich mich über die neue Aufmerksamkeit einerseits freute, überkam mich andererseits die Sorge, hier nicht glücklich zu werden. Ich war überwältigt von der großen Community und gleichzeitig überfordert damit, mir überhaupt darüber klar zu werden, wer und was mir warum gefällt und wer/was nicht. In Großstädten wie Berlin und München sind der Vorstellungskraft da ja keine Grenzen gesetzt, man kann alles mit jedem ausprobieren – ganz unkompliziert und grenzenlos. Wenn man denn möchte.

„Was suchst du so?“

Grindr und Lovoo verfolgen das Gleiche Ziel: Geographisch nah beieinander liegende Nutzer zu vernetzen, da man nur die anderen Mitglieder in der unmittelbaren Umgebung sehen kann. Der Reiz, seinen Nachbar oder Kommilitonen 10m entfernt in der App zu finden, ist dabei natürlich enorm. Das nächste, erotische Abenteuer ist aber auch nicht weit entfernt und wie Männer eben sind, ist der Drang nach schnellem Sex oftmals größer, als das Verlangen danach, sich durch ein Wirrwarr an Förmlichkeiten zu quälen und sich zu verabreden. Fair enough, ich selbst will mich da nach wie vor nicht ausnehmen, muss aber ehrlich sagen, dass mir das nach 6 Jahren keinen wirklichen Reiz mehr gibt. Denn das Gefühl, nach dem ersten virtuellen „Hi!“ von Jemandem so eingenommen zu sein, dass man es nicht mehr abwarten kann, denjenigen sobald wie möglich auch persönlich zu treffen, übertrifft eigentlich alles, was ich bisher sonst an Erfahrungen online sammeln konnte. Der Nervenkitzel vor One-Night-Stands lässt ziemlich schnell nach, man stumpft ab und wird routiniert. Die Schmetterlinge im Bauch, die ich hab, wenn sich die sympathische Onlinebekanntschaft in die Realität verlagert, hab ich mir aber nach wie vor bewahrt. Mein schneller schlagendes Herz und die leicht schwitzigen Hände, die ich vor jedem Date noch habe, sind einfach unbezahlbar. „Wird er so gut aussehen wie auf seinen Bildern? Was wird heute wohl passieren? Wird er mich mögen?“ 

„Bist du Aktiv oder Passiv??“

Leider komme ich relativ selten in diese Situation. Auch ich bin mittlerweile voreingenommen und habe eine Vorstellung davon, wie mein potenzielles Date aussehen soll, wie sein Profil gestaltet sein soll und worüber wir vorher schreiben sollten. Das schier unendliche Angebot an Mitgliedern in den Großstädten verleitet geradezu, zu filtern und zu scannen. Männer werden katalogisiert und nach bestimmten Kriterien aussortiert. Größtes Paradoxon dabei: Ich schaue zuerst auf das Alter im Profil, weiß aber von mir selbst, das mir das Alter komplett egal ist, wenn ich einen Typen in der U-bahn oder in einer Bar süß finde. Ich lasse mich von meiner Vorstellung so sehr blenden, dass ich vielleicht meinen nächsten Traummann schon wieder verpasst habe, nur weil mir sein Profiltext oder eines seiner Bilder nicht gefallen hat. Das beste Beispiel dafür kann ich auch prompt wieder aufzeigen: Im letzten Post habe ich euch von Sebastian* erzählt, den ich Anfang Juli diesen Jahres das erste mal persönlich getroffen habe (read more). Mit ihm stand ich aber schon seit April über Grindr in Kontakt. Und viel interessanter: Schon letztes Jahr im Sommer haben wir über Planetromeo geschrieben. Das Bild, was er mir damals schickte, hatte mich aber nicht ganz überzeugt und deswegen hab ich damals den Kontakt relativ schnell eingestellt. Dass ich mich ein Jahr später dann doch in ihn verliebt habe, zeigt mir wiederum, dass ich online viel zu oberflächlich geworden bin.

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„Congratulations! It’s a Match!“

Um dem Ganzen entgegen zu wirken, helfen eigentlich nur zwei Dinge: Entweder wir schalten uns Offline und löschen sämtliche Onlinepräsenzen und warten den ganzen Tag am Obststand zwischen Kiwis und Bananen auf den einen Richtigen, oder wir versuchen uns daran zu erinnern, dass niemand perfekt ist und Bilder eben nur Bilder sind. Wir werden uns niemals in ein Online Profil verlieben. Unser Profilbesucher-Counter wird uns niemals Frühstück ans Bett bringen und das Dbna Laufsteg-Ranking wird uns niemals einen zärtlichen Kuss auf die Stirn geben. Unsere Matches Bei Tinder machen aus uns keine besseren Menschen und auch das zehnte One-Night-Stand von Grindr wird kein Ersatz für unsere Sehnsucht nach Aufrichtigkeit und Loyalität sein. Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren ist schwer, denn die Verlockung ist groß und der Aufwand niedrig, doch lieber wieder eine schnelle Nummer zu haben. Aber wenn wir es schaffen, jeder Online Bekanntschaft den Respekt zu zollen, den wir uns ebenso uns gegenüber wünschen, dann sind wir vielleicht gar nicht mehr so weit davon entfernt, gemeinsam mit unserem neuen Partner auf ‚Account löschen‘ klicken zu können. Romantik pur eben in 2016. 

Habedere,

Max

*Name geändert.

Was habt ihr für Erfahrungen online gemacht? Wie geht ihr mit Zurückweisung oder Ignoranz um? Habt ihr schon einmal etwas unerwartetes erlebt? Was erhofft ihr euch von den Online Plattformen? Lasst es mich und uns wissen, denn Sharing is Caring.

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2 Gedanken zu “Was ist das für 1 Dating Life unter Schwulen!? 

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